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Vorstellungsrede der Kandidierenden: Dr. Heinz-Martin Döpp

„Hohe Synode, sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrter Herr Landesbischof,

werte Gäste und Zuhörende,

Ich freue mich, dass ich als Kandidat für die Wahl des Landesbischofs in die engere Wahl gezogen wurde, und nehme hier gerne die Gelegenheit wahr, mich Ihnen vorzustellen.

Ich möchte dies in drei Schritten tun:

1) möchte ich Ihnen anhand von biografischen Begebenheiten verständlich machen, was mich persönlich und theologisch geprägt hat,

2) möchte ich Sie teilhaben lassen an meiner Wahrnehmung von Kirche in unserer Welt und meinem Kirchenbild,

3) möchte ich Sie darauf einstimmen, wie ich das Amt des Landesbischofs ausüben würde.

1) Ich beginne mit der Biografie und der theologischen Prägung

Aufgewachsen – das haben Sie gelesen – bin ich in Wuppertal, der Heimatstadt von unserem ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. Die Bekanntheit und Eigenart seiner Heimatstadt gibt ein Witz wieder, der angeblich von ihm stammt:

Ein Mann möchte gerne von Wuppertal nach Peking reisen, hat aber Flugangst. Also fragt er am Bahnhof nach einer Fahrkarte nach Peking. Geht nicht, heißt es da – von hier können Sie nur eine Karte nach Berlin buchen. In Berlin dasselbe, es gibt nur ein Ticket bis nach Moskau. So bucht er nach und nach weiter und kommt irgendwann in Peking an.

Nach zwei Wochen in der Stadt packt ihn das Heimweh und er will zurück. Geht also in Peking an den Fahrkartenschalter: „Guten Tag, ich hätte gerne ein Ticket nach Wuppertal.“ Sagt der Verkäufer: „Balmen odel Elbelfeld?“

Für Wuppertaler eine entscheidende Frage. Deshalb heißt es ja auch durchaus selbstbewusst Barmer theologische Erklärung. Wuppertal ist ein in bestem Sinne frommes Pflaster mit vielfältigen religiösen Traditionen. Dort bin ich aufgewachsen.

Für meine Eltern war die religiöse Erziehung von uns sechs Kindern sehr wichtig. In der Familie wurde regelmäßig gebetet und die Losung gelesen. Selbstverständlich sind wir sonntags zusammen in die Kirche gegangen. In der lutherisch unierten Kirchengemeinde bin ich groß geworden und habe schließlich verantwortlich die Jugendarbeit mitgeleitet.

Mein Vater war viele Jahre lang Presbyter. Ich erinnere mich, dass ich einmal als kleiner Bub gefragt wurde, was denn ein Presbyter macht: „Nach dem Gottesdienst das Geld zählen“, habe ich stolz geantwortet – und mich gewundert, wieso die Leute gelacht haben.

Ein Anliegen meiner Mutter war, dass ihre Kinder einmal ein paar Wochen in den vonBodelschwinghschen Anstalten in Bethel, dem Epilepsie-Zentrum bei Bielefeld, arbeiten und eine Zeit lang das Leben mit Behinderten teilen sollten, so, wie sie es selber als junges Mädchen erlebt hatte. Mit Angst bin ich beim ersten Mal als 16jähriger aufgebrochen – und bereichert wieder zurückgekommen. Es wurde eine Erfahrung fürs Leben.

Nachhaltig geprägt hat mich als Jugendlicher unser damaliger Pfarrer. Er hat uns Jugendlichen viel Vertrauen entgegen gebracht und den Freiraum eröffnet, uns in die Gemeinde einzubringen und die Jugendarbeit eigenverantwortlich zu gestalten. Dass jemand in uns solch ein Vertrauen hatte, ist mir zum Vorbild für meine Arbeitsweise und meinen Umgang mit Menschen geworden. Seither mache ich die Erfahrung: Menschen möchten sich beteiligen und brauchen dazu Gestaltungsräume. Sie wollen ernst genommen werden und wachsen mit sinnvollen Aufgaben und dem Zutrauen, das in sie gesetzt wird. Was dann entsteht, ist vielfältig, kreativ und authentisch.

So habe ich nicht Medizin oder Architektur, sondern Theologie studiert. Begonnen habe ich an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal. Weitere Studienorte waren Marburg, Jerusalem, Berlin und Heidelberg.

Schlüsselerlebnis meiner Ausbildung und wichtig für mein theologisches Denken wurde das Auslandsjahr in Jerusalem, das Studium an der Hebräischen Universität. Es hat mir die Augen geöffnet für die Wurzeln unseres christlichen Glaubens. Es hat mir den Einblick ermöglicht in den Reichtum der jüdischen und islamischen Tradition. Und es hat mir geholfen, in der Reflexion das Verständnis meines eigenen Glaubens zu vertiefen. Es sind diese Erfahrungen, die mich veranlasst haben, neben der Theologie auch noch Judaistik als Hauptfach an der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg zu studieren.

So bin ich 1983 nach Heidelberg gekommen. Dort habe ich meine spätere Frau kennen gelernt. Durch das Ja-Wort habe ich in eine katholische Verwandtschaft eingeheiratet, die mir lieb und wert ist, ja, die stolz ist und mitfiebert, dass ich heute hier zur Wahl stehe. Zusammen mit meiner Frau und unseren Familien leben wir Ökumene pur – und erleben sie als eine Bereicherung, die wir nicht missen möchten.

Heidelberg ist uns – mit wenigen Unterbrechungen – zur Heimat geworden.

In Heidelberg sind unsere drei Kinder geboren, getauft und konfirmiert worden.

Als rheinischer Theologiestudent durfte ich damals den praktischen Teil des Lehrvikariates an der Christuskirche in Heidelberg absolvieren, musste aber aus kirchenrechtlichen Gründen das Pfarrvikariat und meine erste Pfarrstelle in der rheinischen Kirche antreten. So bin ich ins Saarland gekommen, dem südlichsten Zipfel der rheinischen Kirche. Ich wurde Pfarrer in der dörflichen Kleinstadt Landsweiler-Schiffweiler, deren Leben vom Bergbau geprägt war.

Für mich begann eine Zeit intensiver Gemeindearbeit. Dadurch weiß ich, welche Bedeutung die Ortsgemeinde hat und wie wichtig Gemeindepfarrer und Gemeindepfarrerinnen sind. Sie geben der Kirche ein Gesicht und sind Ansprechpartner in vielen Lebensfragen. Keine Frage: Es ist notwendig, dass Kirche vor Ort bei den Menschen ist. Gottesdienste und Kasualien, Hausbesuche und Seelsorge, Kinder- und Jugendarbeit, Feste und Feiern haben Bedeutung über die Kerngemeinde hinaus, und die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen und die ökumenische Partnerschaft vor Ort sind nicht wegzudenken.

Aber ich bin ehrlich: Öffentlichkeitswirksamer als manche Predigt von mir war, dass ich als Pfarrer beim Turnier „Dorf spielt Fußball“ mitgespielt habe, dass ich beim Dorffasching in die Bütt gestiegen bin und mit der Konfirmandengruppe die streikenden Bergleute an der Grube aufgesucht habe. Aus diesem Erleben habe ich gelernt wie wichtig es ist, sich als Kirche in der Welt zu verstehen, sich zu öffnen für die Lebenswelt und sich einzubringen in die Gesellschaft. Seither habe ich für mich begriffen, was Paulus gemeint hat, wenn er davon spricht, dass er in seiner Verkündigung den Juden ein Jude und den Griechen ein Grieche geworden ist (1. Kor 9).

Schon nach wenigen Jahren kam die Anfrage, ob ich nicht nach Heidelberg zurückkehren könne, um an der Elisabeth-von-Thadden-Schule als Schulpfarrer tätig zu werden. Seither ist der Religionsunterricht, Schule und Bildung mein Arbeitsfeld. Ob als Lehrer, Schuldekan oder Schulleiter. Mir ist klar geworden, welche Chance im Religionsunterricht überhaupt und in unseren evangelischen Schulen im Speziellen liegt. Die jungen Menschen, die am Religionsunterricht teilnehmen, sind die Zukunft unserer Kirche. Sie mit unserer Tradition vertraut zu machen, sie sprachfähig zu machen auch in Glaubensfragen und ihnen Orientierung anzubieten gerade in der Zeit, in der sie ihre Werte und Weltanschauung ausbilden, das ist eine große Herausforderung und wichtige Aufgabe. Das Thema Bildung ist ein zutiefst reformatorisches Thema und ein wichtiges kirchliches Arbeitsfeld. Von der Kita bis zur Erwachsenbildung. Es geht um lebenslanges Lernen. Ein Bildungsgesamtplan macht Sinn und eine Einrichtung wie das Ökumenische Bildungszentrum sanctclara in Mannheim ist unverzichtbar. Und gerade um den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen werden wir in Baden-Württemberg in anderen Teilen Deutschlands sehr beneidet. Wir sollten ihn hüten wie einen Augapfel.

Die Gemeindearbeit allerdings habe ich darüber nicht aus dem Blick verloren. Während meiner Zeit als Schuldekan in Mannheim haben wir als Stadtsynode eine Handreichung für die Zusammenarbeit zwischen Schule und Gemeinde verabschiedet, während meiner Zeit am Thadden in Heidelberg haben wir die Kooperation zwischen Schule und Gemeinde vielfältig gestaltet und erst kürzlich zwischen den trennenden Zaun zwischen Thadden-Schule und Kreuzgemeinde als Zeichen unserer Zusammenarbeit nieder gerissen. Als Schulpfarrer war ich Mitglied im Ältestenkreis, als Schulleiter bin ich in der Stadtsynode beratend vertreten. Insofern bin ich nach wie vor nahe dran an der Basis.

2) Ich komme zu meiner Wahrnehmung von Kirche in unserer Welt und meinem Kirchenbild

Wenn ich umschreiben soll, wie ich die Situation unserer Kirche aktuell wahrnehme, so bietet sich mir innerkirchlich ein ambivalenter Eindruck.

Einerseits sehe ich die Stärken unserer Kirche, unserer Gemeinden und Werke.

Da wird viel getan. Wir sind an ganz vielen Stellen fröhliche, kreative, engagierte, lebendige Kirche.

Andererseits erlebe ich aus meiner Sicht eine Kirche, die sich in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess befindet. Der demografische Wandel, die zurückgehenden Mitgliederzahlen und die Auswirkungen der wirtschaftlichen Situation stellen die Landeskirche auf allen Ebenen vor große Herausforderungen. Angesichts knapper werdender Ressourcen stehen wir vor der Aufgabe, die Rahmenbedingungen kirchlicher Arbeit so zu gestalten, dass die Gemeinden, Einrichtungen und Werke auch in Zukunft ihre jeweiligen Stärken entfalten können.

Dies bindet viele Kräfte und schafft Verunsicherung. Ja, ich sehe durchaus die Gefahr, dass Kirche um sich selber kreist und die Zeit fehlt für den eigentlichen Auftrag und die eigentliche Berufung. Auf lange Sicht sind der Aufgabenzuwachs der Mitarbeitenden und der sich abzeichnende mangelnde Nachwuchs ein großes Problem. Gleichzeitig wird immer deutlicher, wie unverzichtbar das Ehrenamt für die Kirche ist.

Nach außen wiederum erlebe ich uns als Kirche in einer zunehmend säkularen, bunten Welt, als ein Angebot unter vielen. Die Selbstverständlichkeit, mit der christlicher Glaube gelebt und kommuniziert wird, und auch das Verständnis des christlichen Glaubens in Politik und Gesellschaft nehmen ab. Ja, für viele haben Kirche und christlicher Glauben keine Bedeutung mehr.

Kirche ist für mich theologisch mit der Confessio Augustana (Artikel 7) gesprochen die Versammlung aller Gläubigen, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden. Ich kann Kirche gar nicht anders verstehen als in großer religiöser Vielfalt und durch und durch ökumenisch.

Doch so wie sich die Welt verändert, ist auch Kirche immer im Aufbruch und Wandel begriffen. Wenn manchen die Zukunft der Kirche Sorge macht, so bin ich doch zuversichtlich: Zukunft hat die evangelische Kirche für mich durch ihre geistliche Kraft. Sie speist sich aus dem Evangelium. Deshalb sind gute Predigten wichtig. Das Wort und die Rückbesinnung auf die Schrift sind aber nicht ohne die Tat zu denken. Kirche für andere zu sein, ist unsere Mission. Diakonisch zu handeln und Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen, sollte uns selbstverständlich sein. Und zwar immer in der Orientierung hin zu allen Menschen (Barmen 6). Wir dürfen nicht nur uns selbst im Blick haben. Wir müssen die Milieuverengung der Kirche gemeinsam überwinden und über den Tellerrand des Eigenen hinausblicken.

Dabei ist es wichtig, den Dialog mit den Menschen zu suchen, das Gegenüber ernst zu nehmen und selbstbewusst von den eigenen Überzeugungen zu reden. Ich bin mir sicher: Wenn man uns abspürt, dass wir von unserer eigenen Sache überzeugt sind und Worten auch Taten folgen lassen, wenn spürbar wird, dass unser Glaube, unsere Vorstellungen und Überzeugungen, Relevanz im Leben der Menschen gewinnen können, – und dass sie von Relevanz sind, davon bin ich zutiefst überzeugt – dann gewinnt unsere Kirche auch in einer säkularen Welt an Glaubwürdigkeit und Zulauf.

Und noch eins ist mir wichtig: Dass wir im Sinne Gottes, der für uns Schöpfer dieser Welt ist, einen wertschätzenden Umgang mit Menschen anderer Religionen und Weltanschauungen pflegen. Dass wir sie nicht bekämpfen, sondern in ihnen Verbündete suchen, die sich für Frieden, Menschenwürde und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

Mit Kirche verbinde ich grundlegend den Gedanken des Priestertums aller Gläubigen (Martin Luther, An den christlichen Adel). Dieser Gedanke verdeutlicht sich mir in dem Bild, das der Apostel Paulus für die Gemeinschaft der Christen gebraucht (1 Kor 12): Wir alle sind Glieder an dem einen Leib, aufeinander angewiesen, mit je eigener Aufgabe und miteinander verbunden. Kirche ist für mich einen große Dienstgemeinschaft.

Wir sind alle gleichermaßen Diener des einen Herrn der Kirche, Jesus Christus.

3) Ich komme zum 3. Teil: Wie ich das Amt des Landesbischofs ausüben würde

In diese Dienstgemeinschaft ist auch der Landesbischof, gleichwohl in leitender Funktion, gestellt. Leiten in der Kirche verstehe ich als eine Dienstleistung an der Kirche. Ohne Vertrauen geht Leitung nicht. Um dieses Vertrauen herzustellen und zu bewahren, sind Kommunikation und Transparenz ebenso wichtig wie eine Kultur der Wertschätzung und der Anerkennung.

Leiten selbst in diesem höchsten Amt kann ich mir zudem nur als Teamarbeit in einer kollegialen Leitungsstruktur vorstellen. Wirkliche Teamarbeit eröffnet Raum für andere, ermöglicht Innovation und Kreativität, macht ernst mit Aufgabenverteilung und Delegation.

Leiten bedeutet auch, Verantwortung zu übernehmen und zu entscheiden.

Umso wichtiger erscheint mir bei der Entscheidungsfindung die Notwendigkeit, innerkirchliche Expertise einzubeziehen und durchaus auch Beratung von außen einzuholen. Sicher werden wir in der Kirche nicht alle einer Meinung sein. Es gibt Auseinandersetzungen und Streit. Manchmal besonders heftig, weil es uns allen um eine Herzensangelegenheit geht. Dies auszuhalten, auch dagegen zu halten, bei allem versöhnlich zu bleiben, um die Sache zu streiten und das Gegenüber ernst zu nehmen und zu schätzen, mir einzugestehen, dass ich nicht immer richtig liege und Fehler mache, das ist wichtig. Sich immer bewusst bleiben: Es ist nicht unsere Kirche, schon gar nicht meine Kirche, sondern die Kirche Jesu Christi.

In diesem Setting hoffe ich, verantwortlich mit dem mir übertragenen Amt umzugehen und meinen Beitrag für die Kirche Jesu Christi zu leisten.

Die spezielle Aufgabe des Landesbischofs sehe ich darin, gemäß unserer Grundordnung die Kirche durch das Wort zu leiten. Dem geht aber voraus, zu hören und zu sehen, Kontakte und Besuche vor Ort zu pflegen. Ich würde als Landesbischof alles daran setzen, eine Atmosphäre der Wertschätzung und der Teilhabe zu schaffen. Zugleich bin ich realistisch genug um zu wissen, dass ich auf die anstehenden Fragen erst einmal keine Patent-Lösungen habe. Wir fangen ja auch nicht bei Null an. Die Landeskirche ist gut aufgestellt und auf dem Weg. Sie haben als Landessynode schon wichtige Leitlinien für die Zukunft erarbeitet. Das Rad gilt es also nicht neu zu erfinden oder gar alles anders zu machen.

Als neuer Landesbischof würde ich mich in den laufenden Prozess einklinken und sehe dann meine Aufgabe darin, die innerkirchlichen Zukunftsfragen aufzugreifen und mutig anzugehen. Gleichzeitig sehe ich die Aufgabe des Landesbischofs darin, die unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Landeskirche im Dialog zu halten und dafür zu sorgen, dass wir auf eine vielfältige Welt mit unterschiedlichen Milieus eine vielfältige christliche Antwort geben.

Als Repräsentant der Kirche sollte der Landesbischof sich schließlich öffentlich in den gesellschaftlichen Diskurs einmischen, als evangelische Stimme stellvertretend Stellung zu aktuellen Fragen nehmen und Impulse für öffentliche Debatten geben. So kann er als ernstzunehmender Gesprächspartner und theologische Persönlichkeit Kirchenferne und Kirchenmüde zum Glauben und zum Engagement für die Kirche einladen.

Neulich wurde ich gefragt, wie ich denn als möglicher Landesbischof die Kirchen wieder füllen könne. Ich halte die dahinter steckende Vorstellung von einem Wachsen gegen den gesamtgesellschaftlichen Trend für unrealistisch. Darauf die Erwartungen auszurichten, dass es unter neuer Leitung gelingt, jeden Sonntag unsere Kirchen bis auf den letzten Platz zu füllen, würde uns alle überfordern und frustrieren. Natürlich sind die Gottesdienste das Zentrum unserer Gemeinschaft und sie sollten deshalb attraktiv und einladend sein. Aber Kirche ist mehr als sonntägliche Gottesdienste. Wir alle wissen es: Menschen kommen auf vielfältige Weise mit Kirche in Berührung. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Wir brauchen spezifische Angebote und müssen uns zukünftig so organisieren, dass nicht alle alles anbieten und wir uns insgesamt damit überfordern, sondern dass wir zusammen rücken, die Arbeit teilen und Begabungen sinnvoll nutzen.

Die Kirche verändert sich ständig. Das schreiben uns die Reformatoren ins Stammbuch. Die Veränderung der Kirche kann sich m.E. aber nur in kleinen Schritten vollziehen.

Sie gewinnt ihre Kraft, wenn wir alle begeistert ernst machen mit dem Priestertum aller Gläubigen, indem wir mutiger und selbstverständlicher als Christenmenschen von dem reden, was uns wichtig ist, indem wir unseren Glauben und unsere Überzeugungen nicht verstecken, sondern in den Diskurs der Gesellschaft einbringen. Wir sind keine Bischofskirche. Wir sind auch keine Kirche der Hauptamtlichen. Wir alle sind Kirche. Das sollten wir uns immer wieder neu bewusst machen. Ich bin davon überzeugt:

Kirche gewinnt an Glaubwürdigkeit mit unserer eigenen Glaubensgewissheit.

Haben wir also keine Angst vor der Zukunft! Vertrauen wir auf Gott! Vielleicht wird die uns vertraute äußere Gestalt und Organisationsform von Kirche sich verändern, die unsichtbare Kirche Gottes aber wird sicher nicht vergehen.

Deshalb ist mir wichtig, vor all den Herausforderungen nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern voller Zuversicht auch heute einen Apfelbaum zu pflanzen, das zu tun, was ich persönlich für unsere Kirche tun kann, und darauf zu vertrauen, dass Gott zu unserem Tun seinen Segen gibt.

Liebe Synodale,

ich bin bereit, mich der Verantwortung zu stellen und Landesbischof zu werden.

Ich glaube auch, dass ich für diese Aufgabe wichtige Voraussetzungen und Kompetenzen mitbringe. Es reizt mich, diese Leitungsaufgabe zu übernehmen – auch wenn ich vermutlich im Moment noch nicht wirklich ermessen kann, was auf mich zukäme.

Aber ich kann mir gut vorstellen, mit Ihnen zusammen die vor uns liegenden Herausforderungen anzugehen – und habe Lust darauf. Ja, ich lasse mich gerne an dieser Stelle in den Dienst der Kirche stellen und werde mich – sofern ich gewählt werde – mit aller Kraft freudig dieser Aufgabe widmen.

Ich danke Ihnen.“