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Synodalpräsidentin Margit Fleckenstein: Begründung des Wahlvorschlags

Die Bischofswahl erfolgt in unserer Landeskirche nach dem Gesetz ausschließlich aufgrund eines Wahlvorschlags der Bischofswahlkommission. Benennungen durch die Mitglieder der Landessynode sind also nur im Rahmen des allgemeinen Benennungsverfahrens über die Bischofswahlkommission möglich, nicht aber auf direktem Wege; etwa aus der Mitte der Synode während der Wahlsynode selbst. Die Landessynode kann also den Wahlvorschlag der Kommission nicht ergänzen; sie kann allerdings mit der für die Wahl erforderlichen Mehrheit beschließen, über den Vorschlag der Kommission gar nicht abzustimmen.

Das jetzige Verfahren unterscheidet sich wesentlich von dem 1997 stattgefundenen Verfahren. Damals galt noch das alte Bischofswahlgesetz, das eine Geheimhaltung des Wahlvorschlags und eine nicht-öffentliche Wahlsynode vorschrieb. (Unabhängig davon standen die Namen der Kandidaten damals aber sehr schnell schon in der Zeitung.) Bei dem jetzigen Verfahren gab es vor der Veröffentlichung des Wahlvorschlags keinen Bruch der Verschwiegenheitspflicht von Kommissionsmitgliedern. Dass vorgeschlagene oder angefragte Personen diese Tatsache selbst nach außen kommunizierten, kann man nicht ändern.

Landesbischof Dr. Fischer hat mir unter dem 22. März 2012 mitgeteilt, dass er zum 31.05.2014 in Ruhestand treten werde. Der Landeskirchenrat hat sodann in seiner Sitzung vom 26. April 2012 die Eröffnung des Bischofswahlverfahrens angeordnet. Dies wurde zusammen mit der von mir festgesetzten Monatsfrist bis 21. Juli 2012 im Gesetzes- und Verordnungsblatt und in Pressemeldungen veröffentlicht. Die Pfarrämter wurden um Abkündigung gebeten.

Diesmal konnten wir uns in der seit 2008 amtierenden Synode, in der wir einander auch kannten, mehr Zeit für die Vorbereitung nehmen. Das ist für eine Kommission mit einer so verantwortungsvollen Aufgabe wesentlich angenehmer. Das jetzige Verfahren ermöglichte uns, schon vor der Anordnung des Verfahrens ab 14. November 2011 Sitzungen der Bischofswahlkommission durchzuführen, was eine sehr gründliche Vorbereitung mit Verfahrensabsprachen und einen umfassenden Austausch über das Anforderungsprofil bezüglich des Bischofsamts ermöglichte. Wir haben uns zu vier Sitzungen getroffen, ohne dass es schon um Personen ging.

In der Kommission bestand der Wunsch, eine Zusammenstellung der verschiedenen Ausgestaltungen des Bischofsamts in den Gliedkirchen der EKD zu erhalten. Wir haben daher eine Stellungnahme des Kirchenrechtlichen Instituts der EKD angefordert und in unsere Diskussion einbezogen, zumal die zeitliche Begrenzung für das badische Bischofsamt gerade in der Synode bedacht wurde. Zum Aufgabenspektrum des Landesbischofs haben wir eine Zusammenstellung aller rechtlichen Regelungen durch das Rechtsreferat erhalten. Zur Ausarbeitung der Kompetenzkriterien und ihrer erkennbaren Merkmale sowie zur Prioritätenfindung haben wir in einer Sitzung auch einen Organisationsberater herangezogen.

Schon 1997 konnte nach dem Gesetz jedes badische Gemeindeglied mir eine Anregung schicken. Diesmal haben wir das besser publik gemacht; es stand in allen Zeitungen, es gab eine Pressemeldung, es stand auf der Homepage und die Gemeinden waren um Veröffentlichung und gottesdienstliche Abkündigung gebeten. Bei den Gemeindegliedern herrschte daher der Eindruck, diese Regelung sei neu – von einer „großartigen Änderung“ wurde gesprochen; die Gemeinden waren begeistert, dass ihre Meinung angefragt war. Wir hatten damals schon 31 Personenvorschläge erhalten (davon elf außerhalb Badens und neun Frauen), aber eben von weniger Gemeindegliedern; diesmal waren es – einschließlich der von den Kommissionsmitgliedern genannten Namen – 58 Personenvorschläge, davon 24 Frauen, 25 Theologen und Theologinnen von außerhalb unserer Landeskirche und 33 im Dienst unserer Landeskirche.

Die Eingaben enthielten damals wie jetzt zum Teil hochkarätige Namen, die zum Teil schon in der Luft lagen. Es gab auch sehr liebenswerte und wertschätzende Vorschläge des eigenen Gemeindepfarrers oder der eigenen Gemeindepfarrerin. Oder auch markante Beispiele wie: „fände man einen Franzosen – aber nicht aus dem Elsass …“ oder: „eine Bischöfin in den Dreißigern würde sich gut machen“.

Bei den in insgesamt vier Sitzungen erarbeiteten Anforderungen spielten die drei Profilkriterien Leitungskompetenz, geistliche und theologische Kompetenz und persönliche Kompetenz eine Rolle. Jedes Kriterium war wiederum in zwölf Kompetenzmerkmale gegliedert. Wir konnten auf diese Weise eine stattliche Höhe an Objektivität und sachgemäßer Vergleichbarkeit der Kandidierenden erreichen.

In einer 5. Sitzung haben wir uns dann mit den Personenvorschlägen befasst und im Wege der Abstimmung entsprechend der Kriterien eine vergleichsweise kleinere Liste von Personen aufgestellt. Zu hohes Lebensalter und mangelnde Ordination standen von vornherein einer Aufnahme in die Liste entgegen. Alle Kommissionsmitglieder hatten das Profilraster schriftlich vorliegen und konnten es als Hilfe bei ihrer Meinungsbildung nutzen. (Sie werden es für Ihre Arbeit in den Ausschüssen auf Wunsch der Vorsitzenden gerne auch erhalten. Eine Einzeldarstellung im Rahmen dieser Begründung würde den zeitlichen Rahmen sprengen.) Es bestand Einigkeit darüber, dass alle Anforderungen von keiner Persönlichkeit erfüllt werden können. Die Kommission war sich aber einig, welches die wichtigsten Kriterien sind. So kam es von selbst zur Reduktion auf eine Anzahl von Personen, die angefragt wurden. Die Wahlvorschlagsliste enthielt die Namen von elf Personen, mit denen ich über die Frage ihrer Bereitschaft zur Kandidatur Gespräche zu führen hatte. Es waren dies fünf Frauen und sechs Männer. Vier Personen stehen im Dienst unserer Landeskirche. Die Liste enthielt vier Namen akademischer Lehrer.

Ich habe Zusagen und Absagen bekommen. Die sieben zur Kandidatur bereiten Personen habe ich um weitere Unterlagen gebeten, die Sie zwischenzeitlich bezüglich der drei Kandidierenden in Auswahl auch zu Ihrer näheren Information erhalten haben. In der 6. Sitzung im Dezember 2012 haben wir alle vorliegenden Informationen dann ausführlich besprochen. Wir haben in dieser Sitzung entschieden, die sieben Personen zu Gesprächen in die Kommission einzuladen. Aus persönlichen Gründen mussten zwei dieser Personen ihre Bereitschaft zur Kandidatur zurückziehen. Mit fünf Personen führte die Kommission ausführliche Einzelgespräche. Nach Abschluss dieser Gespräche in der zweitägigen 7. Sitzung im Februar 2013 wurde in geheimer Abstimmung mit Stimmzetteln der Wahlvorschlag erstellt; in diesen wurde aufgenommen, wer mehr als die Hälfte der Stimmen der gesetzlichen Mitglieder der Wahlkommission erhielt.

Der Wahlvorschlag muss nach dem Gesetz in der Regel mindestens zwei Namen enthalten. Wir haben Ihnen einen Drei-Personen-Vorschlag vorgelegt.

Die Zeiten haben sich geändert, was den Anteil von Frauen in Leitungsämtern anlangt. Damals habe ich von allen angefragten Frauen Absagen erhalten, so dass im Wahlvorschlag keine Frau enthalten war. Diesmal ist das nun anders.

Ich habe Ihnen am 18.02.2013 den Wahlvorschlag übersandt, der anschließend auf einer Pressekonferenz und per Pressemeldung auch der Öffentlichkeit mitgeteilt wurde.

In einer 8. Sitzung im Juli haben wir schließlich diese Tagung vorbereitet.

Beim jetzigen Verfahren bestanden ungleich mehr Chancen für die Öffentlichkeit, die der Landessynode zur Wahl vorgeschlagenen Personen kennen zu lernen. Unsere Kandidierenden haben sich bereit erklärt, je einen Vorstellungsgottesdienst in den Kirchenkreisen Nordbaden und Südbaden – in Mannheim, Pforzheim und Wertheim sowie in Baden-Baden, Freiburg und Konstanz - zu feiern. Die Gottesdienste waren über livestream mitzuerleben und anschließend im Internet nachzuverfolgen. Es waren Fernsehinterviews im ERB und Interviews, zumindest Berichte in den meisten Printmedien zu finden.

Der vorgeschlagene Personenkreis ist das Ergebnis eines sehr sorgfältigen Auswahlverfahrens. Die Kommission hat Ihnen einen in größter Einmütigkeit beschlossenen Wahlvorschlag vorgelegt. Sie ist davon überzeugt, Ihnen damit keineswegs eine leichte Entscheidung zu ermöglichen.

Wenn wir keine Kritik aus unserer Landeskirche gefunden hätten, hätte irgend etwas nicht gestimmt, dafür sind wir Protestanten. Ich möchte auch nicht auf alle Einwände gegen unseren Vorschlag eingehen, den wir einzig und allein der Verantwortung der Synode anvertrauen. Ich möchte nur zwei Kritikpunkte ansprechen:

Der Einwand, dass alle Kandidierenden aus dem Bildungsbereich kommen, rechtfertigt schon per se keinen Hinweis auf eine mangelhafte Qualität unseres Wahlvorschlags. Nur soviel: Alle drei Kandidierenden haben Gemeindeerfahrung, wenn auch nicht in badischen Gemeinden. Sie kommen aus sehr unterschiedlichen Arbeitsbereichen:

Herr Cornelius-Bundschuh widmet sich neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität der theologischen Ausbildung der angehenden Pfarrer und Pfarrerinnen. Diese Arbeit hat immer auch den Pfarrberuf mitzubedenken, also ein sehr an der Zukunft der Gemeindearbeit orientierter Blickwinkel.

Herr Döpp kommt jetzt aus dem Schulbereich mit Praxis und Leitungserfahrung als Schulleiter. Aus seiner Tätigkeit als Schuldekan bringt er zugleich sowohl Führungskompetenz im Personalbereich als auch Leitungserfahrung in einem Kirchenbezirk mit.

Frau Gäfgen-Track trägt seit Jahren die Verantwortung für Bildung, Schule, Kinder und Jugend in der Hannoverschen Landeskirche. Als Mitglied der Kirchenleitung steht sie zugleich in der gesamtkirchlichen Leitungsverantwortung für alle kirchlichen Arbeitsbereiche.

Sie sehen, der Kritikpunkt, alle Kandidierenden seien aus dem Bildungsbereich, lässt sich bei näherem Hinschauen in dieser Pauschalität nicht teilen.

Aus der Einigkeit der Kommission folgt auch, dass die vorgeschlagenen Kandidierenden der theologischen Mitte angehören. Die Kommission hat nie beabsichtigt, mit der Bischofswahl einen Wettbewerb unterschiedlicher theologischer Positionen zu eröffnen. Sie vertraut dabei vielmehr auf die Fortsetzung der bisherigen guten badischen Kirchenleitungspraxis, das Bischofsamt als ein Amt der Einheit zu sehen. Wer die Landeskirche geistlich leitet, hat darauf zu achten, dass theologische Vielfalt und Frömmigkeitsformen sich entfalten können, aber keine Extreme zugelassen werden, die der Grundordnung widersprechen. Die Landesbischöfin bzw. der Landesbischof hat zugleich die Aufgabe zu verhindern, dass die Unterschiedlichkeit in den Glaubensformen nicht dazu führt, sich gegenseitig zu bekämpfen. Die badische Landeskirche ist und bleibt als unierte Kirche eine Einheit in der Verschiedenheit. Dies zu garantieren erwartet die Bischofswahlkommission von den Kandidierenden.

Ich sage einen herzlichen Dank an alle Mitglieder der Bischofswahlkommission für ihr großes Engagement und ihren Beitrag zu einer offenen und stets zielbewussten Arbeitsatmosphäre.

Ich sage herzlichen Dank an den Konsynodalen Jammerthal, meinen Stellvertreter im Kommissionsvorsitz, der mir stets ein guter Berater und darüber hinaus ein hoch kompetenter Vertreter bei meinen unvermittelt stattgefundenen krankheitsbedingten Ausfällen war.

Ich sage im Namen der gesamten Kommission Dank an alle, die unsere Arbeit fürbittend begleitet haben.

Und ich sage Dank den Mitgliedern der Synode für Ihr Vertrauen, das Sie mit der Wahl der Kommissionsmitglieder zum Ausdruck gebracht haben.

(Margit Fleckenstein, Präsidentin der Landessynode)